Spaß

Spaß. Alles dreht sich um Spaß. Was keinen Spaß macht, wird vermieden. Theoretisch ist das ja auch gar kein Problem, in der Praxis machen jedoch immer mehr Dinge Spaß, die kurzlebig, inhaltslos und unbefriedigend sind. In kleinen Portionen lindert Spaß Leid, Schmerz und Trauer. An jeder Ecke findet man genau portionierten Spaß, der einen direkt zur nächsten Portion führt, am Ende ist man doch wieder leer und kaum lebensfreudig.
Internet, Fernsehen, alle möglichen „sozialen“ Angebote, meist mit politisch-tyrannischen Herrschaftscharakter, schreien nach unserer Aufmerksamkeit, wollen konsumiert werden, wollen uns befriedigen. Und was machen wir? Wir langen zu, lassen uns versorgen, anstatt uns selber zu versorgen, preisen unsere Versorger an und haben Spaß. Kurz.
Um den Spaß in Schutz zu nehmen und nicht als allgemeine Spaß-Gegner zu gelten klammern wir hier spontanen Situationsspaß und den Spaß an der großen Sache, an dem Ergebnis langer Arbeit aus.

Einerseits ist die Sensibilität für Spaß an Dingen des Lebens und der Natur durch die Masse an Spaßangeboten gedämpft worden. Mensch überlebt den Tag oft nur wenn er alle seine Spaß-Etappen abgeklappert hat. Spaß ist hierbei auch als Spaß am „Genuss“, der an und für sich nichts weiter als ein Lochfüller ist, zu verstehen. Die erste Zigarette morgens, die Lieblingssendungen am Nachmittag, zwischendurch das Spiel am Computer und zuletzt noch ein schönes Feierabend-Bier oder einen Joint zum entspannen. Als wäre der Mensch nicht intelligent genug um auf diese Füll- und Überbrückungsmittel zu verzichten und die aus seiner unterforderten Psyche entspringenden Beschäftigungslöcher und Bewusstseinslücken selber zu füllen, sein Dasein zu füllen, sein Glück zu erfüllen. Wie viele unausgeglichene, wütende und aggressive Menschen begegnen einem denn ständig? Ohne die Fähigkeit, in sich selbst hineinzublicken, wird rücksichtlos auf die Umwelt projiziert, und da sich dabei ein gewisses Schuld- und Unwohlgefühl einstellt wird dann eben schnell die Abschaltung angestrebt, die Übergabe der Zügel an betäubende, manipulierende und die Eigenständigkeit des menschlichen Denkens unterdrückende Kräfte.
Wie kann der Mensch da noch stolz auf sich sein oder ein genügendes Selbstwertgefühl entwickeln, um sich wieder in Harmonie mit der Natur zu sehen und sie nicht als ständige Bedrohung aufzufassen, gegen die es sich zu wehren gilt? Wie Paradox doch die angebliche Stärke und Überlegenheit der menschlichen Rasse gegenüber anderen Lebensformen erscheint, wenn man Tag für Tag zusieht, wie er nicht einmal innerhalb seines eigenen Organismus harmonisiert, sich ständig zu etwas wertlosem, überflüssigem macht. Wie kann man nur so überheblich auftreten, und dann doch nichts aus sich machen?
Es scheint wenigen Menschen möglich zu sein, eine harmonische, also ausgeglichene Einstellung zu sich selbst zu finden und sich als nächsten Schritt dann der Umwelt zuzuwenden, ohne innere Konflikte auf diese zu projizieren. Der Großteil lebt in Disharmonie und verfällt der Manipulation der „Hilfsmittel“, die ihm angeboten werden und für die alle paar Meter, alle paar Minuten eindringlich geworben wird. Ohne zu hinterfragen, wer ihm das eigentlich anbietet und mit welchem Hintergedanken. Hauptsache der Tag geht schnell vorbei, dann kann man schlafen, Träumen. Dann klingelt der Wecker, die Zigarette wird angezündet und alles geht wieder von vorne los.

Andererseits scheinen diejenigen, die Spaß daran haben, über längere Zeit etwas aufzubauen, neue Lebenskonzepte zu entwickeln und für große Lebensziele zu arbeiten immer weniger zu sein. Die meisten kapitulieren vor den Aufgaben, der Notwendigkeit von Disziplin und Ernsthaftigkeit. Es macht keinen Spaß. Es ist auch schwer, klare Ziele zu haben in einer Welt, in der man ständig mit Überfluss zugeschüttet wird und man als selbstreflexiver Mensch ständig von Existenz- und Sinnfragen geplagt ist. Die einfache und bedrückende Frage, die sich für diejenigen stellt, die den Sprung aus dem Disharmonie-Projektion-Verdrängung-Disharmonie Zirkel geschafft haben, ist schlichtweg: Wozu?

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2 Antworten zu Spaß

  1. KoH schreibt:

    Der Durchschnitt sucht den schnellen Kick. Party, Sex, Drogen, Medien.. etwas was dich schnell vom Alltag ablenkt oder in was du dich flüchten kannst. Anstatt zu erschließen, was der individuelle Lebensweg des Einzelnen ist, wird sich lieber die Birne weggehauen um gar nicht erst drüber nachzudenken. Das nagt am Selbstwertgefühl (Massenminderwertigkeitskomplex?) und was ist besser als das Selbstwertgefühl aufzuwerten? Richtig.. Oberflächlichkeiten. Also vögelt sich die Gesellschaft ein wenig weiter durch die Weltgeschichte, dirigiert von Konsum und manipuliert durch die Trägheit der Masse (Niemand bricht aus..), bis sie unattraktiv wird und die Torschlusspanik einsetzt.. jetzt kann man ja mal drüber nachdenken, welche Ziele man sich eigentlich gesetzt hat und ob man in sein Leben nicht doch ein wenig Wärme lassen möchte.. obwohl.. auf Ziele hinzuarbeiten ist ja Arbeit und Arbeit fordert ja etwas und Forderungen sind Druck und Druck ist Stress und Stress ist negativ und Negatives ist nicht gut, da mach ich doch glatt mal lieber den Fernseher an, dann fühle ich mich nicht mehr so einsam und muss nicht mehr nachdenken.

    • lafauci schreibt:

      Ja wie kann man Ausbruchskonzepte definieren? Wie kann man den Stress der Masse zu etwas positivem umpolen?
      Ich denke es gibt auf jeden Fall einen Massenminderwertigkeitskomplex (siehe “Zeitströme”). Ich denke man muss der Masse erst die reale Minderwertigkeit unserer Spezies (weniger Wert, als sie zu sein denkt) klarmachen, um aus einem Komplex eine komplexe Aufwärtsbewegung zu machen. Nur wie? Wird man als selbstreflexives Individuum nicht immer an der tauben, uneinsichtigen Masse scheitern?

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